8.7. 2018 – Le Mans Classic 2018

Als die Zielflagge am Sonntagmorgen in Le Mans fiel, lagen sich die Mitglieder des Borgward-Zeitmanufaktur-Rennteams jubelnd in den Armen. Ihr Borgward Hansa Renncoupé 1500 hatte die historische Ausgabe des berühmtesten Langstreckenrennens der Welt überstanden. Ein riesiger Erfolg für das kleine Team. 1953 war der Wagen mit der Nummer 41 schon einmal an den Start gegangen und fiel damals mit Motorschaden eine halbe Stunde vor Schluss aus. Besitzer Lars-Erik Larsson (65) aus Schweden saß im letzten Rennabschnitt am Steuer. „Als ich an der Zielflagge vorbeifuhr, kamen mir die Tränen. Ich musste daran denken, dass ich dieses Rennen mit meinen Söhnen Johan und Jakob zusammen gefahren bin und das war immer ein Lebens-Traum von mir. Und ich musste an die ganze Crew denken, die uns an diesem Wochenende die ganze Zeit so toll unterstützt hat.“ Mit dem Ergebnis sind die Mitglieder mehr als zufrieden: Platz 4 in der Klasse bis 1500 ccm und Platz 36 im Gesamtklassement ihres Grids (Automobile 1949 bis 1956). Gefahren wird bei der historischen Ausgabe auf dem 13,629 Kilometer langen Le-Mans-Kurs übrigens keine 24 Stunden am Stück. Um die Oldtimer zu schonen, gibt es drei knapp einstündige Rennblöcke, von denen einer nachts stattfindet. Trotzdem fielen viele Fahrzeuge aus. Der in Bremen gebaute Renner hielt problemlos durch – auch weil das Team auf Nummer sicher ging. Vor dem Rennen wurde eine neue Zylinderkopfdichtung in den 110-PS-Motor eingebaut. In Le Mans musste sie nach den Trainningsläufen turnusgemäß nachgezogen werden. Dafür wurden die beiden Vergaser, Kipphebeldeckel, Ansaugbrücke sowie das Kipphebelgehäuse und die Kipphebelwelle abgebaut. Danach musste natürlich alles wieder zusammensetzt und die Ventile eingestellt werden. „Eine aufwendige Wartung, aber wir wollten unbedingt ankommen“, erklärte Teamchef Christian Loch. Weil das Team nur einen kleinen Etat hatte, war Kreativität gefragt. Zum Beispiel beim vorgeschriebenen Boxenstopp. Gerade wenn in der Nacht fast alle Autos gleichzeitig in die Boxengasse abbiegen, gibt es Chaos. Nicht so bei den Borgward-Leuten. MCE-Mitglied Norbert Bogdon hatte vor dem Rennen in einem Hamburger Spielzeugladen einen pinken, bunt blinkenden Feenstab gekauft. Mit Kabelbinder wurde der am Boxenstoppschild des Teams befestigt. „Das war in dem ganzen Gewusel richtig schön auffällig und in Gegensatz zu vielen anderen Teams klappten unsere Stopps auch deswegen richtig gut“, erzählt Bogdon. Und auch wenn rund 150.000 Zuschauer zum Rennen kamen, zeigte sich auch in Le Mans, wie klein die Welt manchmal ist. Vor 65 Jahren hatte der Rennfahrer Adolf Brudes auf dem Testgelände von Borgward für das Le Mans-Auto die Entwicklungsfahrten gemacht und war beim 24-Stunden-Rennen 1953 auf dem Schwester-Auto mit der Startnummer 42 gestartet. Sein Enkel Jèrome Brudes lebt schon seit vielen Jahren in Frankreich, besuchte nichtsahnend das Rennen – und bekam von einem Freund eine Whatsapp-Nachricht mit dem Foto des Borgward-Renncoupes im Fahrerlager. Brudes besuchte die Crew, um zum ersten Mal mit leuchtenden Augen live das Auto zu sehen, das sein Großvater einst für Le Mans vorbereitet hatte.

Das Team Borgward-Zeitmanufaktur mit Norbert Bogdon (l.)

Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*